Welche Begriffe zur Forschungszulage musst du wirklich kennen? (Einfach erklärt)
TL;DR – Zusammenfassung
Die Forschungszulage ist eine steuerliche Innovationsförderung: Sie unterstützt Unternehmen dabei, neue oder wesentlich verbesserte Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen zu entwickeln – auch wenn das Projekt am Ende scheitert. Entscheidend für die BSFZ-Bescheinigung sind vor allem Neuartigkeit, technisches Risiko/Ungewissheit und planmäßiges Vorgehen.
Warum dieser Artikel wichtig ist
Viele Unternehmen lassen Geld liegen, weil Begriffe wie „FuE“, „experimentelle Entwicklung“ oder „Neuartigkeit“ kompliziert klingen. In der Praxis geht es aber oft nicht um „Laborforschung“, sondern um Innovation im Unternehmen: neue Software, neue Datenverfahren, neue Produktionsprozesse oder neue technische Lösungen.
Wenn du die folgenden Begriffe sauber einordnen kannst, wird es deutlich einfacher,
- dein Vorhaben BSFZ-konform zu beschreiben,
- typische Missverständnisse zu vermeiden,
- und die Forschungszulage als attraktive, technologieoffene Förderung zu nutzen.
Mehr Einstieg & Praxis: Interne Infos und Unterstützung findest du auf dieforschungszulage.de.
Offizielle Stellen: BSFZ (Bescheinigungsstelle) und BMF (Bundesministerium der Finanzen) liefern die verbindlichen Rahmeninfos zur Bescheinigung und zum steuerlichen Verfahren.
Hier findest du die kompakte Übersicht mit häufigen Fragen: Die 8 häufigsten Fragen zur Forschungszulage.
Die wichtigsten Begriffe
Forschung und Entwicklung (FuE)
FuE sind Arbeiten, mit denen du neues Wissen erzeugst oder vorhandenes Wissen so einsetzt, dass daraus etwas Neues oder wesentlich Besseres entsteht (Produkt, Verfahren oder Dienstleistung). Wichtig ist: Es muss mehr als Routine sein und es gibt echte technische/wissenschaftliche Unsicherheit.
Grundlagenforschung
Grundlagenforschung ist Forschung, die neues Grundwissen erzeugt, ohne dass schon klar ist, wofür man es später konkret nutzt. Sie ist eher „Wissen aufbauen“, nicht „Produkt fertig machen“.
Industrielle Forschung
Industrielle Forschung ist planmäßiges, kritisches Forschen, um neue Kenntnisse zu gewinnen, damit du neue Produkte/Verfahren/Dienstleistungen entwickeln oder bestehende wesentlich verbessern kannst. Dazu können auch Prototypen im Labor oder Pilotlinien zur Validierung gehören.
Experimentelle Entwicklung
Experimentelle Entwicklung ist das systematische Kombinieren und Nutzen von vorhandenem Wissen, um neue oder verbesserte Lösungen zu bauen. Typisch sind Konzeption, Planung und Dokumentation – also Innovation, die schon sehr nah an der Umsetzung ist.
Angewandte Forschung
Angewandte Forschung erzeugt ebenfalls neues Wissen, ist aber klar auf ein praktisches Ziel ausgerichtet (z. B. eine konkrete technische Lösung). Sie ist näher an der Anwendung als Grundlagenforschung.
Interne FuE
Interne FuE bedeutet: Dein Unternehmen führt die Innovationsarbeiten selbst durch (eigene Mitarbeitende, eigene Organisation). Das ist häufig der Standardfall bei Produkt- oder Software-Innovation.
Externe FuE
Externe FuE bedeutet: Du lässt FuE durch Dritte durchführen (z. B. Unternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen im In- oder Ausland). Das kann sinnvoll sein, wenn dir Know-how oder Kapazität fehlt.
Details dazu findest du hier: Mitarbeiter Ausland.
Intramurale FuE-Ausgaben
Intramurale FuE-Ausgaben sind Ausgaben für FuE, die innerhalb deines Unternehmens stattfinden (z. B. FuE-Personal, direkt zuordenbare Sachmittel). „Intramural“ = „im eigenen Haus“.
Extramurale FuE-Ausgaben
Extramurale FuE-Ausgaben sind Zahlungen an Externe, die FuE für dich durchführen (z. B. Auftragsforschung). „Extramural“ = „außerhalb des eigenen Hauses“.
FuE-Personal
FuE-Personal sind alle Personen, die direkt an FuE arbeiten oder FuE direkt unterstützen (z. B. FuE-Management, zugeordnete Verwaltung). Entscheidend ist, dass ihre Tätigkeit dem FuE-Projekt konkret zugutekommt.
Begriffshilfe zum Aufwand: Was bedeutet ein Personenmonat bei der Forschungszulage?.
Forscher
Forscher sind Fachkräfte, die neue Erkenntnisse konzipieren und erzeugen (z. B. neue Konzepte, Modelle, Methoden, Software-Ansätze). Sie treiben die eigentliche Innovation fachlich an.
Technisches Fachpersonal
Technisches Fachpersonal führt fachspezifische Arbeiten im FuE-Projekt aus, oft unter Anleitung von Forschern (z. B. Tests, Messungen, Labor-/Technikaufgaben, Nutzung von FuE-Equipment). Sie sind „die Umsetzer im technischen Detail“.
Sonstiges FuE-Personal
Sonstiges FuE-Personal sind Mitarbeitende, die FuE praktisch unterstützen, z. B. Werkstatt, Assistenz, Administration – aber direkt einem FuE-Projekt zugeordnet. Nicht jede Verwaltung ist FuE, nur die eindeutig projektbezogene.
FuE-Aufwendungen
FuE-Aufwendungen sind Kosten, die durch FuE entstehen (z. B. Personalaufwand, bestimmte direkt zuordenbare Kosten). Für die Forschungszulage sind je nach Konstellation vor allem bestimmte Personalkosten zentral.
Mehr dazu: Berechnung.
Personalkosten (für FuE-Personal)
Das sind die Kosten für Mitarbeitende, die an FuE arbeiten – typischerweise Bruttolohn/Gehalt plus Arbeitgeberanteile (inkl. Sozialabgaben etc.). Wichtig ist, dass nur der FuE-Anteil zählt, wenn jemand gemischt arbeitet.
Details: Forschungszulage Personalkosten.
Sachkosten
Sachkosten sind Material- und Betriebskosten, die für FuE genutzt werden (z. B. Labormaterial, Energie, Fachliteratur, bestimmte Services). Für die Forschungszulage sind Sachkosten nicht immer der Kern – entscheidend ist, was nach Gesetz konkret als förderfähig gilt.
Overheadkosten
Overheadkosten sind Gemeinkosten, die FuE anteilig zugerechnet werden können (z. B. Miete, Energie, Telekommunikation, Bürodienste), sofern sie klar FuE zugeordnet sind. Sie sind in der FuE-Systematik relevant, aber in der Förderung kommt es auf die zulässige Kostenart an.
Abschreibungen
Abschreibungen sind die rechnerische Wertminderung von Anlagen über die Zeit. In der FuE-Erhebung werden Abschreibungen häufig nicht als FuE-Ausgaben im engeren Sinn gezählt, obwohl sie in der Buchhaltung als Aufwand auftauchen.
Prototypen
Ein Prototyp ist ein erstes (oder frühes) Modell, das vor allem dazu dient, zu testen und zu verbessern. Als FuE gilt es typischerweise, solange der Prototypbau dazu dient, technische Fragen zu klären und weiterzuentwickeln – nicht, wenn es nur noch Routine ist.
Versuchsanlagen
Versuchsanlagen sind Anlagen, die gebaut werden, um FuE-Fragen praktisch zu testen. Sie zählen zu FuE, solange der Hauptzweck tatsächlich Erkenntnisgewinn und Validierung ist.
Versuchsproduktion
Versuchsproduktion ist eine Produktion, die noch dazu dient, Serientests und weitere Entwicklungsarbeit zu ermöglichen. Sobald es im Wesentlichen „Produktion wie später im Alltag“ ist, ist es meist keine FuE mehr.
Produktdesign
Produktdesign zählt nur dann zu FuE, wenn es für die FuE-Phase notwendig ist (z. B. um neue Funktionen möglich zu machen). Design, das „nur“ für die Produktion, Vermarktung oder Optik finalisiert wird, ist in der Regel keine FuE.
„Feedback-FuE“
Feedback-FuE ist FuE, die nach Einführung eines Produkts/Verfahrens entsteht, weil echte technische Probleme auftreten, die nur durch weitere Entwicklung lösbar sind. Reiner Kundensupport oder Routine-Fehlerbehebung zählt nicht – nur der Teil mit echtem FuE-Charakter.
Auftragsforschung
Auftragsforschung bedeutet: Du beauftragst einen Dritten, FuE durchzuführen, und du trägst meist das finanzielle Risiko. In vielen Fällen liegen die Nutzungsrechte am Ergebnis dann beim Auftraggeber.
Schutzrechte
Schutzrechte sind z. B. Patente oder Lizenzen als juristischer Schutz von Innovationen. Wichtig: Patent- und Lizenzarbeiten sind für sich genommen in der Regel keine FuE, sondern eher Verwaltung/Legal.
FuE-Kriterien, die du kennen solltest (BSFZ-Logik, einfach erklärt)
Neuartig (als Kriterium für FuE)
„Neuartig“ heißt: Du willst etwas entwickeln, das für dein Unternehmen oder deinen Bereich neu ist und über den bisherigen Stand hinausgeht. Es reicht nicht, etwas nur „nachzubauen“ oder minimal anzupassen.
Schöpferisch (als Kriterium für FuE)
„Schöpferisch“ bedeutet: Die Lösung entsteht nicht durch simples Abarbeiten, sondern durch eigene Ideen, Konzepte oder nicht offensichtliche Ansätze. Es ist mehr als Routine und erfordert kreatives fachliches Denken.
Ungewiss (als Kriterium für FuE)
„Ungewiss“ heißt: Am Anfang ist nicht sicher, ob und wie das Ziel technisch erreichbar ist. Wichtig: Gemeint sind technische/wissenschaftliche Unsicherheiten – nicht nur wirtschaftliche Risiken.
Planmäßig (als Kriterium für FuE)
„Planmäßig“ bedeutet: Du arbeitest mit klaren Zielen, einer Struktur (z. B. Arbeitspakete, Zeitplan, Meilensteine) und einem Budget. FuE ist kein Zufallsprojekt, sondern organisierte Innovationsarbeit.
Übertragbar und/oder reproduzierbar (als Kriterium für FuE)
Das Ergebnis muss so dokumentiert sein, dass es grundsätzlich nachvollziehbar ist und (innerhalb sinnvoller Grenzen) wiederholt werden kann. Es geht nicht darum, alles öffentlich zu machen – sondern darum, dass das Wissen nicht „nur im Kopf“ bleibt.
Die „Detailbegriffe“ hinter den Kriterien
Neuheitsgrad des Wissens
Das beschreibt, wie neu das erzeugte Wissen ist: neu für dein Unternehmen, deinen Markt oder eine konkrete Anwendung. Kopie, reine Nachahmung oder Reverse Engineering zählen typischerweise nicht als neuer Wissensbeitrag.
Schöpferische Tätigkeit
Das ist die Arbeit, in der wirklich neue Ideen und Methoden entstehen. Typisch sind Hypothesen, neue technische Ansätze, neue Algorithmen, neue Architekturentscheidungen oder neue technische Prinzipien.
Grad der Unsicherheit
Das ist das Maß, wie stark unklar ist, ob du das Ziel erreichen kannst – z. B. wegen technischer Hürden, fehlender Referenzlösungen oder komplexer Wechselwirkungen. Je höher die echte technische Unsicherheit, desto eher liegt FuE vor.
Formalisierung und Systematisierung des Prozesses
Das bedeutet: Dein Innovationsprozess ist sauber beschrieben (Ziele, Vorgehen, Ressourcen, Dokumentation der Ergebnisse). Genau das hilft später auch bei Antrag, Prüfung und interner Nachvollziehbarkeit.
Transfermöglichkeit und Reproduzierbarkeit neuen Wissens
Das heißt: Das neue Wissen kann in andere Kontexte übertragen werden (z. B. ähnliche Systeme/Produkte) und ist durch Dokumentation für andere Fachleute nachvollziehbar. Ohne Dokumentation wird es schwer, den FuE-Charakter überzeugend darzustellen.
So nutzt du diese Begriffe für die Forschungszulage (Praxis, kurz)
Hier ist die Praxis-Checkliste: 6 Tipps: Forschungszulage sicher & effizient nutzen.
- Formuliere dein Vorhaben als Innovationsziel („neu oder wesentlich verbessert“), nicht als „wir bauen Feature X“.
- Beschreibe die technische Unsicherheit (welche Hürde? warum nicht trivial?).
- Zeige die Planmäßigkeit (Arbeitspakete, Tests, Meilensteine, Ressourcen).
- Dokumentiere Ergebnisse so, dass die Lösung reproduzierbar ist.
Wenn du dabei Unterstützung möchtest (z. B. bei Projektabgrenzung, Formulierungen, Einordnung), findest du auf dieforschungszulage.de passende Hilfen und Praxisbeispiele.