Was bedeutet das Kriterium Schöpferisch im Sinne der Forschungszulage?
TL;DR – Zusammenfassung
- „Schöpferisch“ bedeutet bei der Forschungszulage: Ihr arbeitet nicht nur routinemäßig, sondern entwickelt originäre, nicht offensichtliche Ideen, Konzepte, Methoden oder technische Lösungen.
- In der Praxis wird „schöpferisch“ zusammen mit Neuartigkeit und Risiko/Unwägbarkeit betrachtet – nur „neu für euch“ reicht selten, wenn es bloß Standardumsetzung ist.
- Gute Nachricht: Die Forschungszulage ist oft eine sehr starke Innovationsförderung für Unternehmen, gerade bei Software-, Produkt- und Prozessinnovation.
Warum dieser Artikel wichtig ist
Das Kriterium „schöpferisch“ ist einer der häufigsten Stolpersteine in der BSFZ-Argumentation.
Viele Vorhaben sind klar innovativ für das Unternehmen, wirken aber aus Sicht der Prüflogik wie Implementierung bekannter Lösungen. Wer „schöpferisch“ sauber beschreibt, erhöht die Chance auf eine positive Bescheinigung deutlich – und damit auf die Forschungszulage als planbare Finanzierung für Innovation.
Positive Bescheinigung & Ablauf:
Was heißt „schöpferisch“ konkret?
„Schöpferisch“ (im FuE-/Innovationssinn) heißt: Eure Arbeiten beruhen auf originären, nicht offensichtlichen Konzepten und Hypothesen – also auf eigener, kreativer Problemlösung mit technischem Erkenntnisgewinn, nicht auf Routine.
Typische Merkmale schöpferischer Arbeiten:
- Neue Ideen/Konzepte/Methoden/Strategien entstehen (nicht nur Auswahl bekannter Best Practices).
- Es gibt technische Unwägbarkeiten: Ob und wie es funktioniert, ist nicht sicher.
- Es ist systematisch/planmäßig: Ziele, Arbeitspakete, Tests/Validierung sind erkennbar.
- Ergebnis ist dokumentierbar und reproduzierbar (z. B. Messungen, Testprotokolle, Architektur-/Modell-Doku, Benchmarks).
Planmäßigkeit in der Praxis:
Wichtig: „Schöpferisch“ bedeutet nicht „künstlerisch kreativ“, sondern technisch/wissenschaftlich originär.
Abgrenzung: Schöpferisch vs. Routine (die häufigsten Missverständnisse)
Nicht automatisch schöpferisch
- Standard-Implementierung mit bekannten Tools/Patterns
- Parametrisierung/Customizing von Standardsoftware
- Routine-Debugging (nach Abschluss der Entwicklungsphase)
- Marktforschung, Marketing, Vertrieb
- reine Projektsteuerung (Statusmeetings, Budget, Roadmap, Koordination)
Auch wenn diese Tätigkeiten „im Projekt“ anfallen, sind sie in der Regel nicht die Innovationsarbeit selbst.
Eher schöpferisch (wenn plausibel begründet)
- Entwicklung eines neuen Algorithmus, einer neuen Heuristik, neuer Datenpipeline-Logik
- Prototypenbau und -tests, solange das Ziel noch Verbesserungen/Erkenntnisse sind
- Aufbau einer Pilotlinie/Versuchsanlage, solange der Hauptzweck Innovation/Validierung ist
- Lösung eines Hard-/Softwarekonflikts durch eine neuartige System-Neukonfiguration
- Entwicklung neuer Verschlüsselungs-/Sicherheitsverfahren (nicht nur Anwendung bekannter Standards)
Praxisbeispiele: So wirkt „schöpferisch“ in echten Innovationsprojekten
Praxisbeispiele:
Beispiel 1: KI-/Computer-Vision für Produktionslinien (Industrial AI)
Schöpferisch, wenn ihr z. B.:
- eine neue Erkennungslogik entwickelt, die über statische Qualitätskontrollen hinausgeht,
- mit unsicheren Randbedingungen (Licht, Perspektive, Materialvarianz) experimentiert,
- neue Modell-/Feature-Strategien testet und mit Benchmarks belegt.
Nicht schöpferisch, wenn ihr nur:
- ein Standardmodell „out of the box“ integriert und ein UI drumherum baut.
Beispiel 2: Software – neue Suchmaschine / neue Algorithmen
Beispielkontext (Software-FuE):
Schöpferisch, wenn ihr:
- eine Suchmaschine auf Basis originärer Technologien konzipiert,
- neue/effizientere Algorithmen mit messbar neuen Eigenschaften entwickelt,
- technische Unsicherheit adressiert (z. B. Skalierung, Latenz, Ergebnisqualität).
Nicht schöpferisch, wenn ihr:
- bestehende Suchsoftware lediglich konfiguriert oder ein Plugin schreibt.
Beispiel 3: Daten & Analytics
Schöpferisch, wenn die Datensammlung/-analyse integraler Bestandteil der Innovation ist, z. B.:
- Entwicklung neuer Verfahren zur Datenerhebung oder Datenfusion,
- neue Auswertungsmethoden, die Erkenntnisse für die technische Lösung liefern.
Nicht schöpferisch, wenn es nur:
- klassische Marktanalyse mit bekannten Verfahren ist (z. B. Verkaufszahlenreporting).
Beispiel 4: Produktdesign / Design allgemein
Design ist meist kein FuE. Ausnahme: Design ist unverzichtbarer Bestandteil der Innovationsarbeit (z. B. wenn Design-Entscheidungen technisch bedingte Hypothesen/Tests auslösen).
„Schöpferisch“ richtig formulieren (BSFZ-tauglich)
Wenn ihr das Kriterium beschreiben wollt, helfen diese Bausteine:
- Ausgangsproblem (technisch): Was war technisch unklar oder nicht gelöst?
- Nicht-Offensichtlichkeit: Warum war der Weg nicht einfach „Standardlösung X“?
- Hypothesen & Varianten: Welche Ansätze habt ihr geprüft, verworfen, verbessert?
- Experimente/Validierung: Welche Tests/Prototypen/Benchmarks habt ihr gemacht?
- Ergebnisartefakte: Welche reproduzierbaren Outputs gibt es (Code, Messreihen, Testreports, Spezifikationen)?
Merksatz: Schöpferisch = eigene, nicht triviale technische Problemlösung + systematische Validierung.
Warum die Forschungszulage dafür eine gute Option ist
Die Forschungszulage ist in vielen Innovationsvorhaben attraktiv, weil sie technologieoffen ist und nicht nur „Laborforschung“ abdeckt, sondern häufig produkt- und software-nahe Innovation – entscheidend ist der Nachweis von Neuartigkeit, Risiko/Unwägbarkeit und Planmäßigkeit.
Technologieoffen erklärt: Welche steuerliche Förderung gibt es für Innovation in Unternehmen? Wenn ihr das sauber darstellt, kann die Forschungszulage ein starker, wiederholbarer Finanzierungsbaustein für eure Innovationsroadmap sein.
Finanzierungslogik: Berechnung Interne Orientierung & Unterstützung findet ihr hier: dieforschungszulage.de.
Offizielle Stellen (für Einordnung & Prozess):
- BSFZ (Bescheinigungsstelle Forschungszulage) – FAQs & Kriterien: bescheinigung-forschungszulage.de
- BMF (Bundesministerium der Finanzen) – Überblick zur Forschungszulage / Verfahren: bundesfinanzministerium.de